Ich habe Angst vor Lücken im Lebenslauf…
- raphaelmammerler
- vor 2 Tagen
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Gastbeitrag von Arbeitspsychologin Anna Majer zu Lücken im Lebenslauf und beruflichen Pausen

Viele Menschen mit beruflichen Pausen in der Bewerbungsmappe haben nicht nur Angst vor Arbeitgebern, sondern schon davor, sich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen – und damit sind Sie nicht allein.
Warum diese Angst so stark ist
Über Jahre wurde uns vermittelt, dass ein „guter“ Lebenslauf lückenlos, linear und logisch sein muss. Studien zeigen aber, dass es den „typischen“ langzeitarbeitslosen Menschen gar nicht gibt und dass sehr unterschiedliche Wege in Arbeitslosigkeit und Pausen führen – Unsicherheit und Angst spielen dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig deuten Untersuchungen darauf hin, dass Lücken im Lebenslauf nur begrenzt aussagekräftig sind und Personalverantwortliche sie nicht isoliert bewerten sollten, sondern im Kontext der Gründe.
Trotzdem erleben viele Betroffene Scham und das Gefühl, „versagt“ zu haben – besonders, wenn die Lücke durch längere Arbeitslosigkeit entstanden ist und mit gesundheitlicher Belastung, Überforderung oder fehlender Energie einherging.

Was hinter der „Lücke“ oft wirklich steckt
Wenn jemand sagt: „In dieser Zeit habe ich nichts gemacht“, lohnt sich ein genauerer Blick. Häufig kommen dann Geschichten von Burnout und Therapie, von Pflegearbeit in der Familie, von Fortbildungen, Kursen oder Reisen, die auf den ersten Blick „nicht zählen“, aber tatsächlich Verantwortung, Lernbereitschaft und Bewältigung zeigen. Studien zur Arbeitslosigkeit zeigen, dass solche Phasen psychisch belastend sein können und viel innere Arbeit erfordern – auch das ist Arbeit, nur nicht bezahlt.
Für Arbeitgeber ist ein weiterer entscheidender Punkt, wie Sie heute mit dieser Zeit umgehen: Ob Sie reflektiert erklären können, was damals los war, was Sie gelernt haben und warum Sie jetzt wieder arbeitsbereit sind.

Eine kleine Übung: Mit Angst freundlich umgehen
Wenn Sie schon beim Gedanken an „Lücken im Lebenslauf“ Anspannung spüren, probieren Sie diese kleine Übung, die sich an Elementen von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl orientiert.
Nehmen Sie sich zwei bis drei Minuten Zeit und setzen Sie sich bequem hin.
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen und bemerken Sie, dass da Angst ist – ohne sie wegmachen zu müssen. Fragem Sie sich: Wo im Körper spüre ich sie? Vielleicht im Bauch, in der Brust, im Hals.
Versuchen Sie, die Empfindung nicht zu bekämpfen, sondern innerlich zu sagen: „Es ist okay, dass ich Angst habe. Viele Menschen in meiner Situation fühlen das.“
Atmen Sie ein paar Mal ruhig ein und aus und stellen Sie sich vor, Sie würden eine gute Freundin so begleiten – mit Verständnis statt Kritik.

Forschung zeigt, dass Selbstmitgefühl – also ein freundlicher, nicht verurteilender Umgang mit sich selbst – Ängste und Scham reduzieren und die Fähigkeit stärken kann, schwierige Themen klarer und lösungsorientierter anzugehen. Wenn Sie sich selbst nicht mehr zusätzlich verurteilen, wird es leichter, nüchtern auf Ihre Lücke im Lebenslauf zu schauen, Worte dafür zu finden und Schritt für Schritt wieder in Richtung Arbeitsmarkt zu gehen.
Zum Schluss eine Ermutigung: Ihre Lücke im Lebenslauf erzählt nicht nur von Pause, sondern auch von Überleben, Anpassung und Lernen. Es ist ein Teil Ihrer Geschichte – aber nicht das Ende.
Zur Autorin
Anna Majer ist Psychologin und Karrierecoach für berufliche Neuorientierung und Bewerbungstraining in Deutschland. Auf dein-avgs-coach.de begleitet sie Menschen, die nach einer Pause wieder selbstbewusst in den Arbeitsmarkt einsteigen möchten.





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